Einen Bären aufgebunden?

 

Bären aufgebunden_HistoLog

Fasnet in Konstanz 1913, bearbeitet, Rechte: Wenzel Seibold.

Wenn ich versuche die Herkunft von alten Fotografien zu klären, stoße ich oft auf kleine und größere Fehler im Netz. Während viele Menschen noch immer Wikipedia misstrauen, zeigt sich mir oft ein anderes Bild: Fehler in Wikipedia verschwinden schnell oder lassen sich selbst berichtigen; Fehler auf Nachrichtenseiten sind dagegen zählebig. Denn auch einem gut ausgebildeten Journalisten unterlaufen Zahlendreher und falsche Angaben zu Personen, Orten oder Begebenheiten. Ist die Nachricht aber einmal verfasst, steht sie im Netz und wird nur selten korrigiert. Hier fehlt das bei Wikipedia so gut funktionierende Wiki-Prinzip.

Im Zuge eines letztens angestellten Vergleichs der Fotografien, welche den in Polen und den USA befindlichen zwei Versionen des Stroop-Berichts angehängt sind, stieß ich wieder einmal auf solche Unstimmigkeiten. (Nebenbei bemerkt wird auch in der Fachliteratur nur von wenigen Forschern darauf hingewiesen, dass sich die beiden Versionen des Stroop-Berichts unterscheiden.)

Ein kleiner Zahlendreher passiert schnell und wird selten von anderen übernommen. Legenden entstehen eher, wenn Bilder falsch zugeordnet und beschriftet werden. So ist in diesem Beispiel die Bildunterschrift für das erste Bild falsch. Das Bild stammt nicht vom polnischen Fotografen Mieczysław Bil-Bilażewski, sondern ist Teil des Anhangs des Stroop-Berichts und wurde von SS-Einheiten aufgenommen. Ein Klick zum Museum des Warschauer Aufstands genügt, um zumindest die Falschangabe auszuschließen. Dann fällt auch auf, dass die Bildunterschriften der Bilder 2 und 3 vertauscht wurden.

Als weiteres Beispiel sind verschiedene Twitter-Accounts zu nennen, deren Tätigkeit darin besteht, angebliche historische Bilder zu teilen. Dass sich darunter oftmals Fälschungen finden, zeigt Matt Novak in seinem Blog PALEOFUTURE.

Gerade bei der Beschreibung historischer Bilder gilt es, kritisch zu sein. Wenn Herkunft oder Zusammenhänge unbekannt sind, sollte das lieber erwähnt statt verschwiegen werden. Eine falsche Bildunterschrift kann der Beginn einer zähen Legende sein.

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